Chancenreich Lernen Vorarlberg

16.04.2026, 11:24 Uhr

Wie gelingt Bildung und Ausbildung in einer Zeit, die immer komplexer wird? Wie können junge Menschen gut begleitet, Talente gestärkt und Fachpersonen in ihrem täglichen Engagement unterstützt werden? Mit diesen Fragen beschäftigten sich rund 70 Teilnehmende beim Netzwerktreffen „Chancenreich Lernen Vorarlberg“, das am 15. April 2026 in Nenzing stattfand. Geleitet wird das Netzwerk seit Anfang 2026 vom Zukunftsprogramm chancenreicher Lebensraum. Mit dabei war auch der Partner Z.L.Ö. Zukunft Lehre Österreich.

In den Räumlichkeiten von Hydro Extrusions bzw. im Ramschwagsaal kamen Ausbildungsleiterinnen, Schuldirektorinnen, Leiterinnen elementarpädagogischer Einrichtungen sowie weitere Partnerinnen des Vorarlberger Bildungssystems zusammen. Ziel der Veranstaltung war es, Menschen aus Bildung und Ausbildung miteinander ins Gespräch zu bringen, gegenseitige Stärkung zu ermöglichen und den Austausch über aktuelle Herausforderungen und konkrete Lösungsansätze zu fördern.

Raum für das, was aktuell herausfordert

Der Tag war bewusst so gestaltet, dass nicht nur Best-Practice-Beispiele und fachliche Impulse Platz hatten, sondern auch das, was viele im Bildungsalltag derzeit stark beschäftigt. Denn Bildung und Ausbildung finden in einem Umfeld statt, das sich laufend verändert: gesellschaftlich, technologisch und auch im Hinblick auf die Anforderungen an junge Menschen und jene, die sie begleiten. Im Rahmen der Gesprächsrunden wurde daher offen angesprochen, was belastet, was frustriert und was in der täglichen Praxis als herausfordernd erlebt wird. Genannt wurden unter anderem fehlende Aufmerksamkeit und Konzentration, psychische Belastungen, Lese- und Schreibschwächen, sprachliche und interkulturelle Hürden, Lehrkräftemangel sowie steigender Kosten- und Budgetdruck.

Gerade diese Offenheit machte deutlich, wie wichtig Formate sind, die nicht nur informieren, sondern auch verbinden. Wenn verschiedene Perspektiven zusammentreffen und Erfahrungen geteilt werden, entsteht ein Raum, in dem Verständnis wächst und Zusammenarbeit konkreter werden kann. Genau darin liegt eine zentrale Stärke des Netzwerks „Chancenreich Lernen Vorarlberg“.

Zusammenarbeit ist ein entscheidender Schlüssel

Gelingende Bildung und Ausbildung brauchen heute mehr denn je Zusammenarbeit über Institutionen und Zuständigkeiten hinweg. Genau hier setzt ‚Chancenreich Lernen Vorarlberg‘ an: Das Netzwerk bringt Menschen zusammen, schafft Verständnis für unterschiedliche Perspektiven und stärkt das gemeinsame Arbeiten an guten Lösungen für junge Menschen“, betont Alexander Kappaurer.

Diese Haltung prägte den gesamten Veranstaltungstag. In unterschiedlichen Formaten wurde deutlich, dass gute Bildung und Ausbildung nicht isoliert gedacht werden können. Sie entstehen dort, wo Schulen, Ausbildungsbetriebe, elementarpädagogische Einrichtungen und weitere Partner*innen miteinander im Austausch stehen, voneinander lernen und Verantwortung gemeinsam tragen.

Stärken sehen, Potenziale fördern

Neben allen Herausforderungen wurde im Laufe des Tages vor allem auch eines sichtbar: das große Potenzial junger Menschen. In den Diskussionen wurde mehrfach betont, dass viele Jugendliche nach wie vor viel Motivation mitbringen, wenn es gelingt, Interesse zu wecken und sie in ihren Stärken anzusprechen. Gerade darin liegt ein wichtiger Auftrag für Bildung und Ausbildung: nicht nur Defizite zu benennen, sondern Ressourcen sichtbar zu machen und Entwicklungsmöglichkeiten bewusst zu fördern.

Positiv hervorgehoben wurde auch, dass viele junge Menschen eine erfolgreiche Ausbildung machen wollen und offen sind für Entwicklung, wenn sie dabei gut begleitet werden. Bildung wurde in diesem Zusammenhang klar als Investition in die Zukunft verstanden – in die Zukunft jedes einzelnen jungen Menschen ebenso wie in die Zukunft der Gesellschaft insgesamt. Ebenso deutlich wurde, dass es dafür starke Beziehungsarbeit, gute Vernetzung und einen konsequent stärkenorientierten Zugang braucht.

Fachimpulse mit konkretem Praxisbezug

Inhaltlich bot die Veranstaltung eine abwechslungsreiche Mischung aus kurzen Impulsen und offenem Austausch. Ein Schwerpunkt lag auf dem Thema Entscheidungsfindung. Im BIFO-Impuls ging es darum, wie Entscheidungen bewusst und unbewusst getroffen werden, wie junge Menschen dabei begleitet werden können und welche Methoden helfen, Orientierung zu schaffen und Komplexität zu reduzieren. Gerade in einer Zeit mit immer mehr Möglichkeiten und gleichzeitig wachsendem Druck sind solche Fragen für Bildungs- und Ausbildungsprozesse besonders relevant.

Ein weiterer wichtiger Beitrag kam von Martin Lechthaler, der Einblicke in die Praxis der Berufsschule Bludenz gab. Dabei wurde deutlich, wie wesentlich tragfähige Beziehungen zwischen Schule und Unternehmen sind. Zur Sprache kamen unter anderem der Austausch mit Betrieben, die Zusammenarbeit mit anderen Berufsschulen und Netzwerken, Lehrlingscoaching, Lehrlingsleistungswettbewerbe, frühe Fördermöglichkeiten sowie neue Wege in der beruflichen Ausbildung. Gerade die enge Abstimmung zwischen Schule und Wirtschaft wurde als zentraler Erfolgsfaktor hervorgehoben.

Auch das Good-Practice-Beispiel der Firma Fill aus dem Innviertel zeigte, wie vielfältig und kreativ Talenteförderung gedacht werden kann. Vorgestellt wurden Ideen, wie junge Menschen und ihr Umfeld auf neue Weise für Ausbildung und berufliche Perspektiven begeistert werden können. Selbst Formate wie Seniorenführungen wurden als Beispiel genannt – mit dem Gedanken, dass Begeisterung über Generationen hinweg weitergetragen werden kann.

Wertschätzende Kommunikation als Grundlage

Ein weiterer Programmpunkt widmete sich der wertschätzenden Kommunikation. Nicole Burtscher arbeitete mit den Teilnehmenden zu Aspekten der Gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg. Im Fokus standen dabei Reflexion, Sprache, Bedürfnisse und der bewusste Umgang mit Kommunikationsmustern. Gerade im Bildungsbereich, in dem Beziehungen, Begleitung und Zusammenarbeit eine so große Rolle spielen, wurde dieser Zugang als besonders wertvoll erlebt.

Vernetzung, die weiterträgt

Der Austausch hat einmal mehr gezeigt, wie viel Engagement, Erfahrung und Bereitschaft zur Zusammenarbeit in Vorarlberg vorhanden sind. Mit ‚Chancenreich Lernen Vorarlberg‘ wollen wir jene stärken, die Verantwortung im Bildungsbereich tragen, innovative Wege sichtbar machen und Menschen miteinander vernetzen, damit gute Entwicklungen gemeinsam weitergetragen werden können“, sagt Christina Meusburger.

Dass Vernetzung tatsächlich trägt, zeigte sich auch in den Rückmeldungen der Teilnehmenden am Ende des Tages. Begriffe wie Ermutigung, Vernetzung, bestärkt, motiviert, ressourcenorientiert und beziehungsorientiert machten deutlich, wie die Veranstaltung erlebt wurde: als stärkend, verbindend und mutmachend.

Ein wichtiges Signal war zudem die Partnerschaft mit Z.L.Ö. Zukunft Lehre Österreich, das bei der Veranstaltung vertreten war. Solche Kooperationen sind ein wesentlicher Beitrag dazu, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und gemeinsame Entwicklungen in Bildung und Ausbildung weiter voranzubringen.

Gemeinsam weiterarbeiten

Das Netzwerk „Chancenreich Lernen Vorarlberg“ ist aus der Initiative „Ausbildung mit Zukunft“ entstanden und wird seit Anfang 2026 vom Zukunftsprogramm chancenreicher Lebensraum geführt. Es versteht sich als ressourcen- und stärkenorientierte Plattform, die Menschen verbindet, Impulse setzt und Weiterentwicklung ermöglicht. Das gemeinsame Motto lautet: voneinander lernen.

Schon jetzt ist klar, dass der Austausch weitergeht: Für den Herbst ist eine weitere Veranstaltung geplant. Zudem sollen auch künftig neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Pädagoginnen, Ausbildnerinnen und weiteren Partner*innen entwickelt werden. Denn eines wurde in Nenzing besonders deutlich: Die Herausforderungen sind groß – aber ebenso groß ist die Bereitschaft, sie gemeinsam anzugehen.