Marken und Zukunft

12.05.2026, 10:32 Uhr

Bei der Buchpräsentation des Vorarlberger Zukunftsforschers Klaus Kofler am 7. Mai 2026 war auch Christina Meusburger als Podiumsgast eingeladen. Es ging um die Frage, wie Markenkommunikation helfen kann, eine gelingende Zukunft zu bewirken.

Gemeinsam mit rund 80 Gästen spannte man den Bogen zwischen Handwerk, Design und Regionalmarken und beleuchtete das Verhältnis zwischen Stabilität und Veränderungsbereitschaft. Teile daraus berichten wir hier gerne noch einmal für alle, die nicht dabei sein konnten.

Gerhard Buurman, Prof. an der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd, Christina Meusburger, Markenkommunikation chancenreicher Lebensraum Vorarlberg, Matthias Ammann, europäisch vernetzter Denker zur Holzbaukunst und Holger Bramsiepe, Unternehmer und Berater.

Moderator Holger Bramsiepe stellte unter anderem die Frage, ob Marken eher für Stabilität oder für Veränderung und Innovation sorgen?

Christina Meusburger: „Sowohl als auch und das mache eine Gesellschaft resilient! Denn Marken ermöglichen den Blick auf die Stärken, Besonderheiten, Werte und Haltungen einer Region. Mit passenden Geschichten und treffenden Beispielen kommunizieren sie diese Stärken. Dies verbindet die Menschen wieder stärker mit der Region und stärke sie quasi von innen.“

Holger Bramsiepe: Verleiten Marken nicht eher dazu, Verantwortung an Systeme zu delegieren, die diese gar nicht übernehmen können.

Christina Meusburger: „Die Haltung, dass wir als Menschen oft andere für unsere Situation verantwortlich machen, ist nicht neu. Was gute Marken – und in unserem Fall Standortmarken aber tun, ist – die Menschen so sehr mit ihrem Land zu verbinden, dass sie stark in ihrer Eigenverantworung wachsen. Es wird wieder klarer – was hat dieses Land mit mir zu tun? Was habe ich mit diesem Land zu tun? Warum bin ich so geworden, wie ich bin – meist kommt man drauf, dass die eigene Lebensgeschichte stark mit dem Umfeld zu tun hat – wir werden geprägt von unseren Erfahrungen.

Und wenn wir Marken im aktuellen Sinn verstehen, bringen sie uns in unsere Potenzialentfaltung. Die Frage „Wer möchten wir werden? Oder Wer wollen wir gewesen sein?“ ist der Leitsatz so einer Marke. Das ist ein ziemlich neues Verständnis und da haben sich Marken extrem entwickelt.

Das schöne an diesem zukunftsgerichteten und verantwortungsvollen Blick einer Marke ist, dass er einen Fokus schafft. Damit ein Kontrapunkt zum gängigen Marketing – immer noch mehr Werbung schalten, immer noch mehr Budgets dafür auftreiben. Wer eine gute Marke schafft und dazu ein klares Zukunftsbild, der merkt meistens, dass es eben nicht die Ressourcen sind, die wir von oben anscheindend zu wenig bekommen. es ist die art, wie und ob wir es schaffen, zusammenzuarbeiten und eben nicht auf die große systemveränderung warten.

In einem kleinen Land wie Vorarlberg ist da schon ein guter Boden gelegt. Wir sind bereits sehr gut vernetzt. Eine gemeinsame Marke gibt uns die Möglichkeit, noch klarer zu zeigen, worin unsere Stärken liegen und noch engagierter gemeinsam in dieses Potenzialentfaltung zu kommen.“

Cornell Hess, GF Werkraum Bregenzerwald, Guido Flatz, Regio Bregenzerwald, Gerhard Burmann, Mathias Amann, Klaus Kofler, Christina Meusburger, Holger Bramsiepe und Martin Brandt, von 2015 bis 2023 CEO der Erwin Hymer Group , davor einige Jahre COO bei der Zumtobel Group.

Bramsiepe: „Wo machen wir uns aktuell die Zukunft schöner, als sie ist?“

Meusburger: „Ich finde, es kann nicht genug positive Zukunftsbilder geben – ich finde, wir sollten sie noch viel konkreter ausmalen und uns noch viel öfter genau vorstellen, wie es sein könnte. Man weiß aus der Hirnforschung, dass wir zu besseren Lösungen finden, breitere Perspektiven einnehmen, wenn wir eine positive Vorstellung der Zukunft haben.

Die gegenwärtige Situation wird nie perfekt sein, es werden immer auch Mängel und Konflikte da sein. Das ist in unserem Leben so. Allerdings passiert es uns manchmal, dass wir unseren Blick zu sehr auf diese Mängel lenken und nicht mehr herausfinden.“

Bramsiepe: Und was wäre dann eine ehrliche Zukunft – aus eurer jeweiligen Perspektive?

Meusburger: „Für mich gibt es keine ehrliche Zukunft. Es gibt nur einen ehrlichen Weg, wie wir zu einem gemeinsamen Zukunftsbild kommen. Ob wir einen Prozess zulassen, in dem alle gehört und gesehen werden – ob wir in diesem Prozess auch jene hören, die vielleicht weniger Macht haben.

Bei uns war es ein Bauer aus dem Bregenzerwald, der ein wichtiges Thema eingebracht hat…

Dann ist es auch wichtig, in einem Prozess immer wieder mal inne zu halten und zu schauen, ob alle noch dabei sind.“

Klaus Kofler las aus seinem neuen Buch "Ressource Zukunft". Fotos: evarauch photography