Essen für die Zukunft in der CampusVäre
14.04.2026, 11:36 Uhr
Bregenz (VLK) – Optimistisch, demokratisch und sicherheitsliebend – all das trifft auf die Vorarlberger Jugend zu. Das belegt die neu aufgelegte Vorarlberger Jugendstudie „Lebenswelten 2025. Einstellungen und Werte junger Menschen in Vorarlberg“. Die vom Land unterstützte Studie wurde von der PH Vorarlberg erstellt und liefert wertvolle Erkenntnisse zu den Perspektiven der jungen Generation im Land. „Wir nehmen die Stimmen der Jugendlichen ernst – ihre Erfahrungen, Sorgen und Hoffnungen sind entscheidend für eine gute Jugend- und Bildungspolitik“, betonen Landesstatthalter Christof Bitschi und Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink und fügt hinzu: „Durch die Studienergebnisse erhalten wir eine solide, aktuelle Grundlage, auf der wir unsere Maßnahmen gezielt weiterentwickeln können.“
Bei der Studie „Lebenswelten 2025” handelt es sich um eine repräsentative, standardisierte Onlinebefragung von Schülerinnen und Schülern der 8. bis 12. Schulstufe aller Schultypen mit Ausnahme von Sonderschulen. Die Erhebung wurde im März und April 2025 an Schulen in Vorarlberg durchgeführt. Die Stichprobe umfasst Antworten von 1.427 Schülerinnen und Schüler aus 92 Klassen. Die Studie wurde unter der Leitung von Martina Ott an der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg mit ihrem Team (Katharina Meusburger, Elisa Lehnerer, Gudrun Quenzel) erstellt und finanziell vom Land Vorarlberg unterstützt.
„Die Studienergebnisse wirken unmittelbar in die praktische Arbeit und geben etwa wichtige Hinweise für die verbandliche und offene Jugendarbeit“, erklärt Landesstatthalter Bitschi. Landesrätin Schöbi-Fink betont die Bedeutung der Studie für den Bildungsbereich: „Die Ergebnisse liefern Orientierung für die schulische Bildungsplanung und pädagogische Entwicklungen. Ich bin sicher, dass die PH diese in ihren Workshops sowie in der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften aufgreifen wird.“
Die Studie wird in den kommenden Wochen und Monaten in verschiedenen Gremien vorgestellt. Zudem lädt das Land Vorarlberg am 21. Mai zur Präsentation ins Jugendhaus Graf Hugo in Feldkirch ein. Die Ergebnisse werden von der PH Vorarlberg präsentiert. Im anschließenden Austausch diskutieren Vertreterinnen und Vertreter der Jugendarbeit und Politik die Erkenntnisse. Eine Anmeldung ist ab nächster Woche möglich.
Hier der Link zu den wichtigsten Ergebnissen!
Trotz globaler Krisen und gesellschaftlicher Unsicherheiten blicken die meisten Jugendlichen in Vorarlberg optimistisch in ihre persönliche Zukunft. 46 % der Jugendlichen sehen ihre eigene Zukunft völlig, weitere 43 % eher positiv. Die Zukunft der Gesellschaft sieht hingegen nur ein gutes Drittel der in Vorarlberg lebenden Jugendlichen sehr oder eher zuversichtlich (34 %).
Das psychische und körperliche Wohlbefinden hat sich in den letzten zehn Jahren bei jungen Menschen in Vorarlberg verschlechtert. Bei der Erhebung im Jahr 2016 hatten noch fast zwei Drittel der jungen Menschen ein hohes psychisches Wohlbefinden (65 %), im Jahr 2020 waren dies 58 % und im Jahr 2025 nurmehr 56 %. Der Anteil der Jugendlichen, die von häufigen körperlichen und psychosomatischen Beschwerden berichten, ist in den letzten Jahren von 3 % auf 10 % gestiegen. Bei jungen Frauen – die bereits 2016 verstärkt betroffen waren – haben die Beschwerden besonders stark zugenommen.
Jugendlichen in Vorarlberg sind gute Beziehungen (98 %) und die Unterstützung von Freundinnen und Freunden (96 %) sehr oder eher wichtig. Auch eine gute Ausbildung zu absolvieren, ist nahezu allen Jugendlichen wichtig (96 %). Lebensfreude (95 %), Eigenverantwortlichkeit (94 %), Abwechslung (90 %) sowie Fleiß und Ehrgeiz (89 %) sind ebenfalls für viele erstrebenswert, gefolgt von einem hohen Lebensstandard (86 %) und Unabhängigkeit (84 %).
Im Vergleich zu 2016 zeigt sich eine leichte Werteverschiebung: Materialistische Werte wie der Wunsch nach einem hohen Lebensstandard, Macht und Sicherheit haben an Bedeutung gewonnen. Ebenso ist die Bedeutung von politischem Engagement gestiegen. Umweltbewusstes Handeln und die Unterstützung von Benachteiligten haben nach einer Zunahme bei der Erhebung 2020 hingegen wieder an Bedeutung verloren.
Für eine klare Mehrheit der Jugendlichen sind Freundschaften eine Quelle der Zufriedenheit: 81 % geben an, sehr oder ziemlich zufrieden mit ihrem Freundeskreis zu sein. Freundinnen und Freunde sind auch die wichtigsten Ansprechpartnerinnen und -partner bei Problemen. Gut drei Viertel (78 %) der Jugendlichen besprechen ihre Sorgen mit ihnen, mit der Familie tun dies knapp zwei Drittel (65 %). Jede bzw. jeder zehnte Jugendliche (10 %) gibt aber auch an, niemanden zum Reden zu haben.
Bei der Frage, was die zukünftige Berufstätigkeit zufriedenstellend macht, stehen drei Aspekte klar im Vordergrund: So ist ein sicherer Arbeitsplatz (74 %) sehr wichtig, aber auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie (65 %) sowie genügend Freizeit neben dem Beruf (64 %).
65 % der jungen Menschen haben eine positive Einstellung zur Schule. Gleichzeitig macht sich mehr als die Hälfte (55 %) häufig Sorgen wegen der Schule. Weibliche Jugendliche (66 %) machen sich mehr schulische Sorgen als männliche Jugendliche (42 %). Die Schulsorgen manifestieren sich mitunter körperlich.
Die meisten Jugendlichen in Vorarlberg (72 %) erleben ihren Unterricht als gut strukturiert und störungsarm, was für eine gelungene Klassenführung spricht. Ebenfalls berichten 73 % von einer hohen kognitiven Aktivierung im Unterricht. Sie fühlen sich im Unterricht intellektuell gefordert und geben an, dass Lehrkräfte herausfordernde Fragen stellen oder Aufgaben geben, über die sie gründlich nachdenken müssen.
Eine überwiegende Mehrheit der Jugendlichen in Vorarlberg ist vom Versprechen der Leistungsgesellschaft überzeugt, also durch persönliche Leistungsbereitschaft ein erfolgreiches Leben haben zu können. Eine gute Ausbildung zu haben (97 %) und hart zu arbeiten (81 %), sieht eine überwiegende Mehrheit der Jugendlichen für ein erfolgreiches Leben wichtig an.
Die Jugendlichen in Vorarlberg sind 2025 mit der Demokratie deutlich weniger zufrieden als zu den früheren Erhebungszeitpunkten 2016 und 2020. Waren 2016 noch 63 % der Jugendlichen und 2020 noch 67 % sehr oder ziemlich zufrieden damit, wie die Demokratie in Österreich funktioniert, sind es 2025 nur mehr 45 %.
Das Interesse an Politik ist deutlich höher als 2016. Während 2016 39 % der Jugendlichen stark oder etwas interessiert an Politik waren, geben dies in den Jahren 2020 und 2025 jeweils 45 % der Jugendlichen an.
Zu den demokratischen Grundwerten bekennt sich die große Mehrheit der Jugendlichen. So finden es 78 % wichtig, Kompromisse einzugehen, auch wenn man sich im Recht fühlt. 76 % stimmen der Aussage zu, dass die regelmäßige Teilnahme an Wahlen eine Bürgerinnen- und Bürgerpflicht ist. Mehrheitlich befürworten die Jugendlichen zudem (81%), dass jüngere Menschen mehr zu sagen haben sollten. Viele glauben nicht, dass Politikerinnen bzw. Politiker sich darum kümmern, was Leute wie sie denken (72%). Besonders ausgeprägt ist das Gefühl, nicht gehört zu werden, bei Jugendlichen aus sozioökonomisch unterprivilegierten Verhältnissen.
Sprachliche Vielfalt ist im Alltag vieler Jugendlicher präsent. 30 % verwenden zu Hause Deutsch und mindestens eine weitere Sprache, 8 % ausschließlich eine oder mehrere andere Sprachen als Deutsch. Von den Jugendlichen selbst wird Mehrsprachigkeit äußerst positiv bewertet. 90 % von ihnen stimmen zu, dass ihnen Mehrsprachigkeit später im Leben nützlich sein wird, 77 % geben an, im Verlauf ihres Lebens weitere Sprachen lernen zu wollen.
Symbolbild Demokratieralley Land Vorarlberg