Milch und Käse prägen Landwirtschaft
06.05.2026, 12:15 Uhr
In einer Zeit, in der Lebensmittel oft um die halbe Welt reisen, setzt Klaus Natter bewusst auf das Naheliegende: Regionalität, Qualität und echte Kreisläufe. Der Bäcker und Kaufmann aus dem Bregenzerwald zeigt mit seinem Sortiment im Adeg-Markt in Lingenau und im Dorfladen in Langenegg, wie regionale Wertschöpfung im Alltag funktionieren kann – ehrlich, bodenständig und mit viel Leidenschaft für Lebensmittel aus Vorarlberg.
Besonders am Herzen liegt ihm dabei ein ganz spezielles Brot: das „Dinkelvollkorn“. Inspiriert von der Marke Vorarlberg und der Idee, regionale Ressourcen stärker sichtbar zu machen, verarbeitet Klaus Natter nun auch Vorarlberger Urdinkelmehl. Einmal im Monat lässt er sich dafür einen großen Sack Korn vom Martinshof liefern. Gemahlen wird direkt vor dem Backen – frisch, schonend und mit viel handwerklichem Anspruch.
Das Rezept ist bewusst schlicht gehalten: Urdinkel, Wasser, Salz und Hefe. Mehr braucht es nicht. Und genau darin liegt die Qualität. Das Brot überzeugt mit kräftigem Geschmack, einer saftigen Krume und einer besonderen Natürlichkeit.
Beim Getreide ist es die Regionalität und die Qualität, die mir wichtig ist – Urdinkel hat hier einen großen Mehrwert“, sagt Klaus Natter.
Dass Urdinkel heute wieder auf Vorarlbergs Feldern wächst, ist nicht zuletzt einer Initiative von Bertram Martin zu verdanken. Er hat in den vergangenen Jahren mehr als 60 Landwirte dafür gewonnen, diese alte Getreidesorte wieder anzubauen und neu aufleben zu lassen. Mit Erfolg: Urdinkel gilt als robust, nährstoffreich und energiereich. Gleichzeitig tut der Anbau auch den Böden gut. Durch eine abwechslungsreiche Fruchtfolge können sich die Felder besser regenerieren – ein Gewinn für Landwirtschaft, Umwelt und Konsument*innen gleichermaßen.
Für Klaus Natter endet Regionalität aber nicht beim Brot. In seinen beiden Geschäften finden sich zahlreiche Lebensmittel aus der unmittelbaren Umgebung.
Ich sehe das als Kreislauf. Jeder profitiert von jedem – wir sind alle voneinander abhängig“, beschreibt er seine Philosophie.
So verkauft er etwa frisch geschlachtetes Schweinefleisch aus Lingenau. Alle drei Wochen werden zwei ganze Schweine verarbeitet. Die Metzgerei Fetz in Andelsbuch übernimmt die Schlachtung und liefert das frisch verpackte Fleisch direkt in die Geschäfte nach Lingenau und Langenegg. Ergänzt wird das Angebot durch verschiedene Specksorten, Wienerle und Landjäger. Im Herbst kommt zusätzlich Wildfleisch aus dem Bregenzerwald dazu – ebenfalls von der Metzgerei Fetz, deren Betreiber Anton Fetz selbst Jäger ist.
Für Klaus Natter spielt dabei nicht nur die Qualität des Endprodukts eine Rolle, sondern auch der respektvolle Umgang mit den Tieren.
Beim Fleisch, das ich verkaufe, ist es mir wichtig, dass es den Tieren gut geht“, betont er.
Kurze Transportwege und die Zusammenarbeit mit einer nahegelegenen Metzgerei seien dafür eine gute Lösung.
Auch viele weitere regionale Produkte haben ihren festen Platz in den Regalen: Honig aus Lingenau über den örtlichen Imkerverein, Bodensee-Erdbeeren, Wälder Kartoffeln aus Großdorf, Ziegenkäse von Martin Feuerstein aus Lingenau oder Bauernjoghurt aus Sohler. Das Sortiment entwickelt sich laufend weiter – immer mit Blick auf Qualität, Herkunft und die Wünsche der Kund:innen.
Am Ende entscheidet natürlich der Kunde, was läuft und was nicht. Man muss Trends im Auge behalten“, sagt Klaus Natter.
Neben dem Handel bleibt aber auch das Bäckerhandwerk sein zentraler Alltag. Gemeinsam mit seinem Team backt er täglich frisches Brot und Gebäck, das nicht nur in den eigenen Geschäften verkauft, sondern auch an verschiedene Kund:innen ausgeliefert wird. Regionalität ist für ihn dabei kein kurzfristiger Trend, sondern eine bewusste Entscheidung – für bessere Lebensmittel, starke Partnerschaften und mehr Wertschöpfung im Land.
Das „Dinkelvollkorn“ steht damit stellvertretend für viel mehr als nur ein Brot. Es erzählt von Landwirtschaft, Handwerk und Zusammenarbeit. Von Menschen, die Verantwortung übernehmen und regionale Kreisläufe stärken. Und davon, wie gut Vorarlberg schmecken kann.